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Lesung von Elias Raatz: Wir hol'n jetzt unser Haus!

Herzliche Einladung zur Lesung am Mittwoch, 2. April 2025 um 19.00 Uhr im Brückenhaus, Werkstraße 8.


„Wir hol’n jetzt unser Haus!“

Diesen Satz brüllte an diesem lauen Juniabend 1972 ein von der Agitprop-Band „Ton Steine Scherben“ aufgeheizter Tübinger Jugendlicher. Seiner Aufforderung folgten rund 300 Gleichgesinnte, alle vom Konzert der Berliner Politrocker emotionalisiert. Nachdem ihr bisheriges Jugendzentrum „Schwabenhaus“ durch einen Brand unbenutzbar wurde, nahmen Tübinger Jugendliche an diesem Abend ihr Schicksal selbst in die Hand. „Wir brauchen keine Hausbesitzer, denn die Häuser gehören uns!“, beschwörte „Scherben“-Frontmann Rio Reiser den kollektiven Kampfgeist. Weniger als eine Stunde später wurde selbstbewusst ein leerstehendes Haus in der Nähe des Hauptbahnhofs besetzt.

Jugendzentrum „Epplehaus“: ein Stück gelebte Utopie?

Ihr neu erkämpftes Zentrum benannten die Jugendlichen nach einem 17-jährigen Lehrling, der während einer wilden Verfolgungsjagt fälschlicherweise für einen RAF-Terroristen gehalten und bei Herrenberg von der Maschinenpistole eines Polizisten durchsiebt wurde. Seit über 50 Jahren ist das sogenannte „Epplehaus“ als selbstverwaltetes Jugendzentrum ein Raum für politische Kämpfe, kulturelle Revolutionen und Selbstverwirklichung. Anfang 2025 ist mit dem umfangreichen Sachbuch „Wir hol'n jetzt unser Haus!“ quasi das „Standardwerk“ zu diesem buntesten Gebäude Tübingens sowie der lokalen Jugendzentrumsbewegung und Hausbesetzer-Szene erschienen. Die Herausgeber Elias Raatz und Lucius Teidelbaum haben ein Stück (nicht nur Tübinger) Zeitgeschichte zusammengesammelt, spannend für alle, die – mit sehr viel oder ganz ohne Distanz und Vorwissen – die damalige Subkultur (wieder-)erleben möchten.

Lesung mit spannender historischer Aufarbeitung

Am 02. April stellt Herausgeber und Verleger Elias Raatz das Sachbuch im Brückenhaus vor und liest aus unterhaltsam gekürzten Kapiteln. Dabei richtet er seinen Blick vor allem auf die bewegten Anfänge des „Epplehaus“ und seiner Hausbesetzung zwischen 68er-Bewegung und RAF-Hysterie, zwischen Jugendzentrumsbewegung und Hausbesetzer-Szene, zwischen der Historie des „Schwabenhaus“ und der Erschießung des Lehrlings Richard Epple. Nach der Lesung wird es Gelegenheit für Austausch, zum Lesen im Werk und zum Erwerben des Buchs geben.


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